...Jesus Christus, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria...

...empfangen durch den Heiligen Geist...
Adveniat 2006
Unterkirche St. Othmar

"Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.

Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich.

Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel."
(Lk 1,26-38, Einheitsübersetzung)

Leben ohne Verheißung ist vermauertes Leben, ist weniger Leben als Dahinvegetieren. Leben mit Verheißung macht erst das Humane des Menschen aus. Marias Berufung zur Mutter des Herrn hat unser aller Leben in eine Verheißung gestellt, die gnadenvoller und heller nicht sein könnte. Weil sie "Ja" zu ihrer Bestimmung gesagt hat, ist die Zeit nicht mehr leer, sondern erfüllt. Wir brauchen Augen, Ohren, Herzen, die sehen, hören, fühlen, dass die Botschaft des Engels an Maria mit unserem Leben zu tun hat. Gott ist im Kommen. Wenn wir "Ja" zu ihm sagen, kann er aus unserer Gegenwart viel mehr werden lassen als wir je aus ihr machen können.

Das Fest "Verkündigung des Herrn" (früher: "Mariä Verkündigung") feiern wir eigentlich am 25. März, genau 9 Monate vor dem Fest "Geburt Christi" (Weihnachten). Trotzdem wird es auch am 8. Dezember ("Mariä Empfängnis") als Evangelium verkündet und sorgt damit für etliche Verwirrung über den Inhalt der Feste. Da mit Beginn des neuen Kirchenjahres am 1. Adventsonntag die Ankunft des Herrn vorbereitet wird, gehört dieses Evangelium über die Verkündigung (= Empfängnis Jesu) im gerafften Ablauf des Jahreskreises an diese Stelle. Das Fest Mariä Verkündigung galt übrigens in Europa lange Zeit als Jahresbeginn (vergleichbar mit dem Jahresbeginn in der antiken Zeitrechnung), in England sogar bis in das 16. Jahrhundert.


Tagesgebet zum Hochfest "Verkündigung des Herrn":

Gott, du bist groß und unbegreiflich.
Nach deinem Willen ist dein ewiges Wort
im Schoß der Jungfrau Maria Mensch geworden.
Gläubig bekennen wir,
dass unser Erlöser wahrer Gott und wahrer Mensch ist
Mache uns würdig,
Anteil zu erhalten an seinem göttlichen Leben.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.




...die ohne Erbsünde empfangene Jungfrau und Gottesmutter Maria...

Jesus Christus, empfangen durch den Heiligen Geist
Altarbild in der Othmarkirche
Joseph Führich, 1854

Der Hintergrund dieses Marienfestes ist der Glaube, dass Maria vom ersten Augenblick ihrer Existenz im Schoß ihrer Mutter Anna "durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu ... von jedem Makel der Erbschuld bewahrt worden ist".
(Pius IX. in der Bulle "Ineffabilis Deus" - Der unbegreifliche Gott - vom 8. Dezember 1854)

Ein weiterer Zusammenhang zu dieser Glaubensaussage besteht darin, dass Maria - im Unterschied zu allen anderen Menschen - am Ende ihres Lebens keiner Läuterung mehr bedarf (da diese bereits im Moment ihrer Empfängnis stattgefunden hat und Maria auch sonst während ihres Lebens keine persönlichen Sünden beging). Dies wurde 1950 im Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel mitausgesagt.

Dieses Dogma kann als ein menschlicher Versuch verstanden werden, das eigentlich unbeschreibliche und alle Logik übersteigende Geheimnis von der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus ( ... empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria ... ) doch noch mit Worten und Begriffen fassbar zu machen. Die Makellosigkeit Mariens von Anfang an ist nach unserer menschlichen Logik die Voraussetzung für das Wunder ihrer Gottesmutterschaft. Wann immer wir jedoch mit den Methoden wissenschaftlichen Denkens unseren Glauben zu begründen suchen, stoßen wir an Grenzen. Vielleicht ist dies die Botschaft dieses Tages: Gott ist nicht an unsere Vorstellungskraft und unsere Begrifflichkeiten gebunden!

Die römisch-katholische Kirche begeht am 8. Dezember das "Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria" (früher: "Unbefleckte Empfängnis" - immaculata conceptio). Der deutsche Festkreis spricht auch von "Mariä Erwählung". Das Fest ging aus dem ursprünglichen Fest "Mariä Empfängnis" hervor (als solches noch von der anglikanischen Kirche gefeiert), am 8. September, also neun Monate später, feiern wir das Fest "Mariä Geburt".

Die orthodoxe Kirche feiert Mariä Empfängnis am 9. Dezember, hat aber wegen ihres nicht-augustinischen Verständnisses der Erbsünde keine speziellen Lehren darüber. Ein eigenes kirchliches Fest, das der Erwählung Mariens im Mutterleib gedenkt, lässt sich bereits im 9. Jahrhundert nachweisen. Übrigens verehren auch gläubige Moslems Maria als vorbildlichen Menschen, der bereits im Mutterleib von Gott auserwählt und unter seinen besonderen Schutz genommen wurde (Koran, Sure 3).


Tagesgebet zum Hochfest der Ohne Erbsünde Empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria:

Großer und heiliger Gott,
im Hinblick auf den Erlösertod Christi
hast du die selige Jungfrau Maria
schon im ersten Augenblick ihres Daseins
vor jeder Sünde bewahrt,
um deinem Sohn eine würdige Wohnung zu bereiten.
Höre auf ihre Fürsprache:
Mache uns frei von Sünden
und erhalte uns in deiner Gnade,
damit wir mit reinem Herzen zu dir gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.




...Magnificat anima mea Dominum...

"Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.

Da sagte Maria:

Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück."
(Lk 1,39-56, Einheitsübersetzung)

...empfangen durch den Heiligen Geist...
Adveniat 2006
Unterkirche St. Othmar

Die direkte Fortsetzung des Verkündigungstextes beinhaltet den Besuch Marias bei ihrer Base (Kusine) Elisabet, die ebenfalls schwanger ist und auf deren prophetischen Gruß sie mit dem "Magnificat" antwortet. Dieser Text ist eines der drei Cantica (Gesänge) des Lukasevangeliums und erinnert vielfach an den Lobgesang der Hannah, der Mutter des Propheten Samuel, der sich im Alten Testament im Ersten Buch Samuel, 2. Kapitel, findet.

Das Magnificat gehört zu den Grundtexten des Christentums, im Stundengebet ist es der Höhepunkt der allabendlichen Vesper, in der es gesprochen oder gesungen wird (an Sonn- und Festtagen mit Weihrauch begleitet).

Dieser Gesang ist einer der großartigsten biblischen Texte und hat zu immer neuer Auseinandersetzung angeregt. Er nimmt die Reich-Gottes-Verkündigung Jesu und die "umwertende" Bedeutung seines Kreuzes vorweg. Moderne Deutungen unterstreichen gern die Stärke Marias und den "revolutionären" Aspekt ihres Liedes.

Viele Komponisten haben Magnificat-Vertonungen geschrieben, das früheste mehrstimmige Fragment stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Danach gab es namhafte Werke mit diesem Titel von Claudio Monteverdi, Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi, Carl Philipp Emanuel Bach und vielen anderen. Die deutsche Textversion wurde u. a. von Heinrich Schütz und Peter Planyavsky vertont.


Magnificat Lukas 1,46-56 (Vulgata)

Magnificat anima mea Dominum.
Et exsultavit spiritus meus in Deo salutari meo.
Quia respexit humilitatem ancillae suae:
Ecce enim ex hoc beatam me dicent omnes generationes.
Quia fecit mihi magna qui potens est
et sanctum nomen eius.
Et misericordia eius a progenie in progenies timentibus eum.
Fecit potentiam in bracchio suo:
dispersit superbos mente cordis sui.
Deposuit potentes de sede
et exaltavit humiles.
Esurientes implevit bonis
et divites dimisit inanes.
Suscepit Israel puerum suum
recordatus misericordiae suae.
Sicut locutus est ad patres nostros
Abraham et semini eius in saecula.
Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto.
Sicut erat in Principio et nunc et semper,
et in saecula saeculorum. Amen.



Die Texte dieser Seite wurden von Doris Frass und Kaplan Andrzej Prochniak zusammengestellt. Sie waren im Rahmen von Adveniat 2006 auf Schautafeln in der Unterkirche zu lesen. Auch die oben abgebildete Marienfigur und die Heilig-Geist-Taube waren in der Unterkirche zu sehen. Diese Ausstellung in der Unterkirche war ein Beitrag zu unserem Jahresschwerpunkt UNSER GLAUBENS-JA(HR) und zeigte eine bildliche Umsetzung des Themas "...empfangen durch den Heiligen Geist..."

Dazu fand am 2.12.2006 um 17 Uhr in der Unterkirche ein Impulsreferat von GP P. Lic. Dr. Bernhard Vosicky OCist (Stiftspfarrer in Heiligenkreuz) statt.

Die Marienfigur stammt von der Weihnachtskrippe der Othmarkirche, einer Schnitzarbeit aus dem Grödnertal, die 1942 angeschafft wurde.
Die Krippe besitzt übrigens zwei Marienfiguren, die oben gezeigte ist für die Anbetung der Hirten gedacht. Eine weitere Figur mit dem schon etwas größeren Jesuskind am Schoß ist für die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland vorgesehen.

Die Heilig-Geist-Taube, eine barocke Schnitzarbeit, befindet sich normalerweise an der Decke des Mittelschiffes der Othmarkirche, beim sogenannten Heilig-Geist-Loch, und wurde früher zu Pfingsten mit einer Seilwinde in den Kirchenraum hinuntergelassen.



aktualisiert am 10-Dez-2006
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