Friedhof in Mödling

Im Jahr 1876 wurde unter Bürgermeister Josef Schöffel der Friedhof am Fuß des Eichkogels eröffnet. Dies geht aus der folgenden Inschrift in der Schöffel-Kapelle hervor:

Inschrift in der Schöffel-Kapelle   DIESE KAPELLE
WELCHE ZU KIRCHLICHEN FUNCTIONEN
ALLER CHRISTLICHEN CONFESSIONEN
DIENEN SOLL
WURDE ZWEI JAHRE NACH ERÖFFNUNG
DIESES FRIEDHOFS
IM JAHRE 1878
VOM
BÜRGERMEISTER
JOSEF SCHÖFFEL
ERBAUT

Diese Inschrift zeigt auch, dass damals die Ökumene in Mödling eine wichtige Rolle gespielt hat, und das ist erfreulicherweise auch heute noch so. Daher fand aus Anlass des Jubiläums 130 Jahre Friedhof Mödling zu Allerheiligen 2006 eine ökumenische Feier statt, an der Geistliche und Gläubige aller drei christlichen Pfarren in Mödling teilnahmen: Pfarre Herz Jesu, Evangelische Pfarrgemeinde A.B. Mödling und Pfarre St. Othmar.

Friedhofskapelle
Friedhofskapelle
Denkmal der Gefallenen
Denkmal der Gefallenen
Schüler-Mausoleum
Schüler-Mausoleum
Schöffel-Kapelle
Schöffel-Kapelle
Bläserquartett
Bläserquartett
Fotos: Franz Starnberger

Der erste Teil der Feier fand in der Friedhofskapelle statt, was aufgrund der stürmisch-kalten Witterung für die Mitfeiernden angenehm war. Elemente der Feier waren eine Lesung aus dem ersten Korintherbrief, Jubel im Psalm 126, ein Abschnitt aus dem Johannesevangelium, eine Predigt von Pfarrer Heine, Fürbittgebet und das Vater Unser.

Die Vollendung des Heils bei der Auferstehung (1Kor 15,35-38.42-45)

Nun könnte einer fragen: Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben?
Was für eine törichte Frage! Auch das, was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt.
Und was du säst, hat noch nicht die Gestalt, die entstehen wird; es ist nur ein nacktes Samenkorn, zum Beispiel ein Weizenkorn oder ein anderes.
Gott gibt ihm die Gestalt, die er vorgesehen hat, jedem Samen eine andere.
So ist es auch mit der Auferstehung der Toten. Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich.
Was gesät wird, ist armselig, was auferweckt wird, herrlich. Was gesät wird, ist schwach, was auferweckt wird, ist stark.
Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen überirdischen.
So steht es auch in der Schrift: Adam, der Erste Mensch, wurde ein irdisches Lebewesen. Der Letzte Adam wurde lebendig machender Geist.

Tränen und Jubel (Ein Wallfahrtslied, Ps 126)

Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete, / da waren wir alle wie Träumende.
Da war unser Mund voll Lachen / und unsere Zunge voll Jubel. Da sagte man unter den andern Völkern: / "Der Herr hat an ihnen Großes getan."
Ja, Großes hat der Herr an uns getan. / Da waren wir fröhlich.
Wende doch, Herr, unser Geschick, / wie du versiegte Bäche wieder füllst im Südland.
Die mit Tränen säen, / werden mit Jubel ernten.
Sie gehen hin unter Tränen / und tragen den Samen zur Aussaat. Sie kommen wieder mit Jubel / und bringen ihre Garben ein.

Das Gespräch über den Weg zum Vater (Joh 14,1-6)

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!
Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr.
Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?
Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Es folgten kurze Andachten beim Denkmal der Gefallenen, vor der Schüler-Mausoleum und vor der Schöffel-Kapelle. Die Feier wurde musikalisch durch ein Bläserquartett mitgestaltet.


Geschichtliches

An der Stelle der 1886 geweihten Waisenhauskirche stand die Kirche St. Martin, die vermutlich auf karolingische Zeit zurückgeht. Die Reste dieser Kirche wurden 1787 bis 1790 abgetragen. Die Martinskirche gilt als Pfarrkirche der Urpfarre Mödling. Um die Kirche befand sich ein Friedhof, auf dem Beerdigungen bis zur Eröffnung des Friedhofs am Eichkogel im Jahr 1876 stattfanden.

Einige Erinnerungen an den Friedhof bei der Martinskirche sind noch erhalten:
- eine Pieta von 1694, die heute auf dem Kirchenplatz von St. Othmar zu sehen ist
- 4 Putten mit Laternen, heute bei der Begräbnisstätte des Waisenhauses am Mödlinger Friedhof zu sehen
- ein Gemälde aus der Gruftkapelle der Familie Vargemont, gemalt von Ritter Scheffer von Leonhardshoff, heute im Festsaal des Museums der Stadt Mödling ausgestellt

Auch um die Othmarkirche und ihre Vorgängerkirchen befand sich durch Jahrhunderte hindurch ein Friedhof. Der Karner und zahlreiche Grabsteine bezeugen dies. Grabstätten sind an der Außenseite der 3. Vorgängerkirche aus dem 12. Jahrhundert nachgewiesen. Ein Stein aus der Römerzeit, der im Fundament einer Vorgängerkirche gefunden wurde, lässt vermuten, dass sich in der Nähe der heutigen Othmarkirche bereits vor fast 2000 Jahren eine Grabstätte befand. Der Stein ist im Museum der Stadt Mödling ausgestellt.

Per Hofdekret vom August 1784 legte Kaiser Josef II. fest, dass sich Friedhöfe nur mehr außerhalb von Siedlungsgebieten befinden durften. Für den Friedhof bei der Othmarkirche wurde diese Anordnung erst verspätet befolgt, 1798 fand dort die letzte Beisetzung statt. Das letzte erhaltene Grabmal ist jenes des Ehepaars Loehr auf dem Kirchenplatz, Maria Elisabetha Freÿin v. Loehr starb 1796. Erst unter Bügermeister Josef Schöffel wurden 1884 die inzwischen verwahrlosten Reste des Friedhofs bei der Othmarkirche geräumt und der Raum unter dem Karner wieder geöffnet.

Der Friedhof bei der ehemaligen Martinskirche befand sich damals außerhalb des Siedlungsgebietes, daher fanden dort alle weiteren Beerdigungen bis 1876 statt.

Am 22. November 1875, im Jahr der Stadterhebung, beschloss der Mödlinger Gemeidenrat, am Fuß des Eichkogels einen Friedhof anzulegen. Dieser wurde am 4. Mai 1876 eröffnet. Schon um 1880 war eine Erweiterung erforderlich, ebenso 1913, in den 1920er Jahren und 1976. Die Friedhofskapelle mit Aufbahrungshalle wurde 1926 erbaut und zuletzt 1988 umgebaut und erweitert.

Der Israelitische Friedhof wurde am 11. Juli 1876 geweiht. Das letzte Begräbnis fand 1991 für Frau Gertrude Kafka statt. Weitere besondere Abteilungen auf dem Friedhof sind der Armenfriedhof, der Friedhof des Hyrtlschen Waisenhauses, zahlreiche Soldatengräber und der Urnenfriedhof, auch im Schüler-Mausoleum finden Beisetzungen in Urnen statt.

Leider gab es auch Zeiten, wo die oben positiv erwähnte Ökumene in Mödling nicht gelebt wurde. Bei der zweiten Erweiterung des Friedhofs weigerte sich der damalige Pfarrer von St. Othmar, Dechant Franz Fuchs, die Segnung des neuen Friedhofsbereichs am 22. Oktober 1913 gemeinsam mit dem damaligen evangelischen Pfarrer Stiller vorzunehmen. Dieses Versäumnis wurde in Form der ökumenischen Feier am 1. November 2006 nachgeholt.

Im Museum der Stadt Mödling fand 2006 eine Sonderausstellung "130 Jahre Friedhof Mödling" statt.



Impressionen vom Friedhof Mödling

Schöffel-Kapelle
Schöffel-Kapelle
Josef Schöffel (1832-1910)
Bürgermeister von Mödling
Schüler-Mausoleum
Schüler-Mausoleum
Friedrich Julius Schüler (1832-1894)
Generaldirector der Südbahn
Kreuz
Kreuz (1869)
Der Auferstandene
Der Auferstandene (1878)
Franz Keim (1840-1918)
Franz Keim (1840-1918)
Dramatiker, Lyriker, Gymnasiallehrer
Ferdinand Herrmann (1848-1910)
Ferdinand Herrmann (1848-1910)
ehem. Pfarrer in St. Othmar
Engel (1878)
Engel (1878)
Israelitischer Friedhof in Mödling
Israelitischer Friedhof in Mödling
Friedhof des Hyrtl Waisenhauses
Friedhof des Hyrtl Waisenhauses
Putten vom Martinsfriedhof
Putten vom Martinsfriedhof
Soldatenfriedhof
Soldatenfriedhof
Soldatenfriedhof
Soldatenfriedhof
Soldatenfriedhof
Soldatenfriedhof
Armengräber
Armengräber

aktualisiert am 08-Jul-2012
Mitteilungen bitte an webmaster@othmar.at