Kreuz

Das Kreuz

Nach der Pfarrchronik blieb beim Brand der St. Othmarkirche 1529 nur der Kopf dieses Kruzifixus und die Seidenstickerei am Votivaltar wie durch ein Wunder verschont. Später (wann genau ist nicht festgehalten) wurden der Körper und das Kreuz ergänzt.

Stilkritisch betrachtet entsprechen die gedrehten Haarlocken der Zeit um 1500 und das Lendentuch könnte um 1700 entstanden sein.

Auffallend ist die sehr statische und steife Auffassung des Körpers und der sogenannte "Vier-Nagel-Typus" (Füße nicht überkreuzt, sondern parallel), wie er in der romanischen Kunst üblich war. Dies könnte auf eine bewusste Ergänzung des Körpers "in altertümlichem Stil" hinweisen.

Genauen Aufschluss über das Alter dieser Skulptur könnten nur Freilegungsproben an der Fassung, eingehende chemische Analysen sowie radiologische Untersuchungen erbringen.

Kruzifix

Dieses Kruzifix wurde jedenfalls in St. Othmar über Jahrhunderte besonders verehrt, 1773 wurde sogar an der Nordwand der Kirche, gegenüber des Haupteinganges für dieses Kreuz eine Kapelle gebaut, die auch als heiliges Grab diente. Diese Kreuzkapelle wurde von Kardinal Migazzi gestiftet (er hat auch den Hochaltar geweiht) und ein Kreuzaltar mit den Assistenzfiguren Maria und Johannes errichtet.

1862 ließ Constantin Ritter von Pawlikovsky die Kreuzkapelle renovieren (siehe auch Kreuzweg und Votivaltar). 1904 musste sie wegen Baufälligkeit abgerissen werden.

1933 wurde das Kreuz zum Missionskreuz geweiht und 1934 bei der Fronleichnamsprozession mitgetragen (6 Männer; die Tragstangen und Befestigungen dafür sind noch vorhanden). Aus dieser Zeit dürfte auch die letzte, sichtbare Fassung (farbige Gestaltung) stammen.


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