Adalbert Kowatschitsch, 1969


Dechant Adalbert Kowatschitsch
Pfarrer von Mödling - 1935 bis 1969

"Er gehört zur Stadt [Mödling] wie der Karner und das Rathaus" steht im November 1965 im damaligen Pfarrbrief. "Manche seiner Aussprüche sind Slogans geworden. Wie ein guter Wirt steht er bei der Kirchentür, um die Gäste und die Gläubigen zu begrüßen. ... Sein phänomenales Personengedächtnis kennt jeden Kranken in seinem Hinterzimmer und vergisst keinen, der irgendwo in einem Heim ist. Von den älteren Häusern gibt es keines, in dem er noch nicht gewesen wäre. Er ist kaum mehr wegzudenken aus dem Leben der Stadt." Noch 1973 schreibt der frühere evangelische Pfarrer über seinen katholischen Amtsbruder: "Wer kennt ihn nicht, den hochgewachsenen Mann im Priestergewand, der in den Straßen Mödlings mit lauter und freundlicher Stimme grüßte und für Grüße dankte. Es ist unser (!) im Ruhestand weilende Dechant Adalbert Kowatschitsch."


Kowatschitsch als junger Pfarrer

Heute, dreißig Jahre später, erinnert gerade noch die "Adalbert-Kowatschitsch-Gasse vormals Andergasse" an den langjährigen (1935-1969) Pfarrer von Mödling. Ist der große und humorvolle, sozial sensible und souveräne Dechant (wie ein ehemaliger Kaplan formulierte) vergessen?

Adalbert Kowatschitsch wird am 9.8.1900 in Bisamberg geboren. Nach der Volksschule absolviert er das Seminar in Hollabrunn, anschließend das Priesterseminar in Wien und wird am 22.7.1923 zum Priester geweiht. Zunächst ist er ein Jahr Kooperator in Niederrußbach, 1924 bis 1928 Kurat an der Propstei Wr. Neustadt, dann noch einmal Kooperator in Wien-Reindorf. 1932-1935 hat er seine erste Pfarrerstelle in Raggendorf inne.
1935 wird er nach dem überraschenden Tod des allgemein geschätzten Pfarrers Leopold Rögner als letztgereihter Bewerber nach St. Othmar berufen.


v.l. Kamenicky, Kühmayer, Kowatschitsch, Neuber, Schmidtmayer, Lichtenecker



v.l. Müller, Virt, Kowatschitsch, Kühmayer, ??



Kowatschitsch neben Bürgermeister Stingl, Mgr. Wagner, evang. Pfarrer Berg

Wahrscheinlich sind es dann die Kriegs- und Nachkriegsjahre - in denen er "beschützend, mutig und tröstend" (so die Worte eines früheren Kaplans) aufgetreten ist - die seine Beliebtheit eigentlich begründet haben. Die großgewachsene Gestalt im schwarzen Talar - die auch öfters mit einem Sack Kohlen oder Kartoffeln über der Schulter durch die Gassen Mödlings zu einem verschämten Armen geht - wird ein vertrautes Bild. Und er versteht es, mit einfachen Leuten wie mit den "Honoratioren" zu sprechen, sodass sie alle ihn verstehen.

"Der Pfarrer von St. Othmar war ein großer Beter in der Gemeinde und ein volkstümlicher Seelsorger. Er war der richtige Pfarrer in dieser Zeit. Dazu war er menschlich sehr liebenswürdig und ein echtes Original in seinem Leben" - wieder die Worte eines Kaplans. Die Leute mögen ihn, wenn er etwa während der Messe den Zelebranten am Altar allein lässt, durch die Kirche spaziert und die Menschen persönlich begrüßt. Natürlich ist er bei all dem nicht ohne Fehler. Er schimpft und grantelt, ist manchmal schnorrig, in vielem altmodisch, und seine gesundheitlichen Beschwerden bewirken, dass ihm in seinen letzten Jahren allmählich alles zuviel wird.
Er tritt 1969 in den Ruhestand, von zahlreichen Leiden geplagt, mit der Ehrenbürgerschaft (zum ersten Mal wieder nach 53 Jahren) von Mödling ausgezeichnet. In der Pension erholt er sich, reist noch zehn Jahre zwischen Bayern und Österreich hin und her, um Aushilfe in verschiedenen Pfarren zu leisten. Seine Heimstatt ist in dieser Zeit das Haus seiner Schwester in Altenberg/Donau. Am 23.4.1980, dem Festtag seines Namenspatrons, stirbt er im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien. Am Friedhof in Bisamberg wird er neben seinen Eltern begraben.


Kardinal König, Kowatschitsch, Bgm. Stingl

Jede Erinnerung an "den Dechant" wäre unvollständig, wenn man nicht auch die zahlreichen "Geschichten" über ihn erwähnen würde. Die mit den Tauben, die vertilgt werden sollten, worauf eine Gruppe älterer Damen bei ihm vorgesprochen habe: "Herr Dechant, die armen Viecherln! Und außerdem sind sie doch ein Symbol des Hl. Geistes!" hätten diese gesagt, worauf Kowatschitsch erwidert habe: "Ja, aber der Heilige Geist besch...t mir nicht meine Kirche!" Oder die legendäre Weihnachtsmette in den Nachkriegsjahren, da er die Kanzel erklommen, seine Gemeinde in der damals noch ungeheizten Kirche betrachtet und gesagt habe: "Leutln! Kalt ists. Müd seids. Was soll ich Euch sagen? Leutln - vertragts Euch!" Sprach`s, stieg von der Kanzel, und die Messe nahm ihren Fortgang. Aber auch der Geschäftsmann, den er in der Kirche knien sieht, zu ihm hintritt und sagt: "Du, i brauchert ein Hemd für einen Bedürftigen", worauf er zur Antwort bekommt: "Geh lass mich in Ruh, jetzt tu ich beten".


Grab von Dechant Kowatschitsch

Adalbert Kowatschitsch, ein "Seelsorger alten Schlages", wie man wohl sagt. Wie meinte damals ein Domkanonikus zur Feier von Kowatschitschs 60. Geburtstag? Dass er "das besitze, was einen wirklichen Pfarrherrn ausmache: den Kontakt mit allen seinen Pfarrkindern und darüber hinaus mit jedem, der den Weg zu ihm finde". Und er schloss mit dem Satz: "Also lieber Dechant, bleib wie du bist, schimpf, bet` und hab die Leut` gern!"

Die Gemeinde Mödling lässt ihrem Ehrenbürger jedes Jahr zu Allerheiligen einen Kranz auf sein Grab in Bisamberg legen. Den ist er wert.



WOLFGANG PUNZ Der Dechant. Adalbert Kowatschitsch. ISBN 3-902405-03-1

Danke Wolfgang Punz für das ausgezeichnete Buch und diesen Text, den er eigens für othmar.at zusammengestellt hat.

WOLFGANG PUNZ
Der Dechant. Adalbert Kowatschitsch.
Pfarrer von Mödling 1935-1969
152 Seiten, zahlreiche Abbildungen
ISBN 3-902405-03-1
Verlag Alt-Mödling
Satz Bücherwerkstatt Bisamberg, R. Vogel
Druck: Manz Cross Media
Erschienen im August 2003
14 € (allenfalls zuzüglich Versandspesen)

Erhältlich in Mödlinger Buchhandlungen
oder direkt beim Autor Dr. Wolfgang Punz,
2340 Mödling, Johann Straußgasse 52



aktualisiert am 29-Okt-2003
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