Ökumenisches Forum

am 17. Jänner 2005 in der Gebetswoche für die Einheit der Christen

Ökumenisches Gespräch über Spiritualität - Was versteht man unter Spiritulaität
- Text zu Christus das eine Fundament der Kirche

 

 Ökumenischer Gottesdienst in der Evangelischen Kirche

Das neugestaltete Altarbild

Pfarrer Klaus Heine, Pfarrer Richard Posch, Pfarrer Pater Josef Denkmayr und Pfarrer Markus Lintner (v.l.n.r.)

Ökumenischer Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Mödling am 17.1.2005

Ökumenischer Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Mödling am 17.1.2005

Ökumenischer Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Mödling am 17.1.2005

Ökumenischer Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Mödling am 17.1.2005

Ökumenischer Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Mödling am 17.1.2005

1 Kor 3, 1-13a Christus das eine Fundament der Kirche (Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984)

Und ich, liebe Brüder, konnte nicht zu euch reden wie zu geistlichen Menschen, sondern wie zu fleischlichen, wie zu unmündigen Kindern in Christus. Milch habe ich euch zu trinken gegeben und nicht feste Speise; denn ihr konntet sie noch nicht vertragen. Auch jetzt könnt ihr's noch nicht, weil ihr noch fleischlich seid. Denn wenn Eifersucht und Zank unter euch sind, seid ihr da nicht fleischlich und lebt nach Menschenweise? Denn wenn der eine sagt: Ich gehöre zu Paulus, der andere aber: Ich zu Apollos -, ist das nicht nach Menschenweise geredet? Wer ist nun Apollos? Wer ist Paulus? Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der pflanzt noch der begießt etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. Der aber pflanzt und der begießt, sind einer wie der andere. Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. 

Predigt von Pfarrer Klaus Heine:

Liebe Schwestern und Brüder!
Unter der Überschrift "Pfarrgemeinderat" notiert Lothar Zenetti: "Von Programmen sprachen wir und Tagesordnungspunkten, von Aktionen sprachen wir und von Sofortmaßnahmen, von Modellen sprachen wir und neuen Perspektiven, von Problemen sprachen wir und Meinungsäußerungen, von Strukturen sprachen wir und von Gemeindebildung. Von Jesus Christus sprachen wir nicht, und seine Meinung war nicht gefragt. So hing er still am Kreuz aus Oberammergau."
Sieht Zenetti es zu scharf, dass wir im geschäftigen Getriebe auch unseres kirchlichen Alltags oft genug die direkte lebendige Verbindung zum Quellgrund unseres Glaubens verlieren, dass alle möglichen anderen Stimmen sich bei uns Gehör verschaffen, dass viele andere Autoritäten Geltung beanspruchen, dass Jesus allenfalls als e i n e wichtige Gestalt unter anderen für unser Leben bestimmend wird? Das alles kann sich durchaus bei intaktem Bekenntnis und rechtgläubiger Struktur der Kirche vollziehen! Wenn wir in den mahnenden Worten des Apostels den Reflex der korinthischen Zustände sehen, dann müssen wir seufzend feststellen, dass sich anscheinend nicht viel geändert hat. Geistlicher Personenkult existiert noch immer, und er ist auch noch immer Ausgangspunkt von trennenden Streitigkeiten. Paulus begegnet der geistlichen Unmündigkeit mit der elementaren Erinnerung an die Basis des Glaubens. Eigentlich liebe ich das Bild von der Gemeinde vom Steinbau mit entsprechendem Fundament nicht besonders. Es soll wohl die notwendige und absolut verlässliche Basis des Glaubens betonen. Aber ein Betonfundament ist mir einfach zu starr, und die Assoziation von "Fundamentalismus" ruft mit alle Schrecken der Menschenverachtung und des Terrors im Namen Gottes ins Gedächtnis. Ich nehme Paulus bei dem Ziel seiner Argumentation: Die Gemeinde ist der Tempel Gottes. Hier können wir dem Geist Gottes begegnen. Wir gehören ihm, hier ist er in Christus gegenwärtig. Im Christusereignis hat Gott gehandelt. Christus ist der elementare Quellgrund unseres Glaubens, Sinn und Ziel unseres Daseins. Jesus Christus, das ist nicht nur ein Bekenntnissatz, ein heiliges Bild, eine Idee. Er ist die lebendige Wirklichkeit der Liebe Gottes. Nur durch ihn kommen wir Gott nahe, erfüllt sich die Bestimmung unseres Daseins. Wer die beglückende Erfahrung seiner Gegenwart macht, wird auch fähig zum Liebesdienst an seinen Schwestern und Brüdern im Glauben. Viele Streitigkeiten erscheinen in der Präsenz des Geistes Christi als geradezu peinlich oder lächerlich. Aber selbst die notwendigen Auseinandersetzungen verändern sich in diesem Geist. Sie werden sachbezogener und zielgerichteter. Man hält mehr aus. Gelassenheit aus Liebe verbreitet sich. Fragen können auch einmal offen bleiben, Spannungen werden ausgehalten.
Ich bin Gott von Herzen dankbar, dass wir seit Jahren auf dem ökumenischen Weg zueinander vorangekommen sind. Ich betrachte das als ein Gottesgeschenk, das wir pfleglich behandeln und gut nutzen sollen. Wir können so miteinander leben, weil uns das Christusereignis immer wichtiger geworden ist. Von ihm her hat sich vieles anders geordnet. Trennendes wandelte sich in bereichernde Vielfalt.
Lasst uns immer wieder zu diesem menschlichen Gott in unserer Mitte zurückkehren, auf die Stimme dieses guten Hirten hören und ihm gemeinsam folgen.
Amen.

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Ökumenisches Gespräch zum Thema Spiritualität

Gesprächsgruppe 1 mit Pastoralassistentin Bärbl Metz

Gesprächsgruppe 2 mit Pfarrer Klaus Heine

Gesprächsgruppe 3 mit Pfarrer Josef Denkmayr

Gesprächsgruppe 4 mit Pfarrer Richard Posch

Gesprächsgruppe 5 mit Erna Moder

Gesprächsgruppe 6 mit Elisabeth Pollheimer

Das Thema ist aktuell. Die Evangelische Kirche hat das Nachdenken über 'Spiritualität' zum Schwerpunkt des Jahres 2005 erklärt und der katholische Pastoraltheologe Paul Zulehner erklärte zuletzt im Gespräch mit Radio Stephansdom 'Spiritualität liegt wieder im Trend' doch die Kirche sei zumindest in Westeuropa nicht die erste Adresse der religiös Suchenden.
 

 
SPIRITUALITÄT

Spiritualität klingt nach Atem und Weite, nach Stille und Tiefe. Spiritualität ist der Baustil, der die Architektur meines Lebenshauses bestimmt. Sie ist die Ästhetik, in der sich mein Selbstgefühl ausdrückt; sie ist das Gefälle, das den Lauf meiner Gedanken und Wünsche lenkt.

Der lateinischen "Spiritualität" entspricht die deutsche "Geistigkeit". Welcher Geist bestimmt den Bauplan meines Lebens? Welche Statik gibt meinen Hoffnungen Halt und meinen Sehnsüchten Form? Welcher Atem weitet meine Seele? Aus welcher Tiefe ziehen meine Wurzeln ihre Kraft?

Fragen, denen diese Seiten nachspüren: Sie bieten Anregungen und Einsichten aus dem Schatz der christlichen Spiritualität und Mystik und aus den Erfahrungen alltäglichen Glaubens.

(Text von www.autobahnkirche.de)
 

In 6 verschiedenen Gesprächsgruppen wurden Texte christlicher Spiritualität gelesen, vertieft und diskutiert.

Die erste Gruppe beschäftigte sich mit einem Brief Bernhard von Clairvaux's der den Papst Eugen III. ermahnt, sich von seinen zu vielen Aufgaben nicht überwältigen zu lassen. Er weist den Adressaten auf M.t.16,3o hin, ein Wort, das auch die Überbeschäftigten und Ausgelaugten anleiten kann, im Namen Jesu Anweisungen für die eigene Lebensführung zu gewinnen.

Eine 2.Gruppe widmete sich Martin Luther und der Rechtfertigungslehre, keine nur historische Begebenheit, sondern eine Wieder-Entdeckung des von der Liebe Gottes getragenen Verhältnisses zwischen Gott und den Menschen, eine aus der Bibel gewonnene Erkenntnis, die nie veralten wird. Pfarrer Heine: "Wie kommt man zum spirituellen Weg, wie erlangt man Glaubensgewissheit?"

In der 3.Gruppe stand ein Text des Mathematikers und Physikers Blaise Pascal zur Diskussion, sein "Memorial", in dem er eine Gottesbegegnung schildert, die er schriftlich festhielt und immer bei sich trug. Christliche Spiritualität als immerwährende Vergegenwärtigung Gottes und Jesu Christi! Pater Josef: "In der nächtlichen Stunde muss zwischen Gott und Pascal etwas passiert sein. Zwischen Gott und dem Menschen irgendetwas, was auch als 'Erotik' bezeichnet wird"

Die 4. Gruppe diskutierte über einen Text von Romano Guardini. Er ruft die Menschen zu Sammlung und Ruhigwerden im Angesicht Gottes auf, um Standfestigkeit und Heimat zu finden. Pfarrer Posch: "Guardini spürt die Präsenz Gottes, dies ist auch heute und jetzt möglich, z.B. kann Meditation auch unseren Glauben vertiefen."

Bonhoeffer widmet sich in einem Text der 'billigen' und 'teuren Gnade'. Was teure Gnade meint, erfahren wir aus dem Evangelium, in das der Mensch immer wieder hineinhorchen muss, um zu erkennen, dass Gottes Gnade 'teuer erkauft' worden ist, weil er seinen Sohn für uns hingab. In der 5. Gruppe mit Erna Moder wurde dabei das Resümee gefunden, dass Bonhoeffer - trotz seiner manchmal schroffen Worte - zum Schluss im Gespräch mit Gott Hoffnung fand. 

Die verschiedenen Texte von Gertrude Stein, die die 6. und letzte Gruppe besprach, zeugen von einem unerschütterlichen Gottvertrauen. "Diese werden, obwohl sie sehr schicksalsbezogen sind, als positiv empfunden" fasste Elisabeth Pollheimer zusammen. "Die Strahlkraft der Menschen, die davon getragen werden, wirkt in die Welt hinein und kann sie vielleicht verändern."

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Was versteht man unter Spritualität

Pfarrer Heine bei der Einführung zum Thema "Spiritualität

Ökumenisches Forum

Pfarrer Heine beim Schlussresüme

Ökuemnisches Gespräch nach der Diskussion


 

Spiritualität (aus http://de.wikipedia.org/wiki/Spiritualität)
(v. lat.: spiritus = Geist, Hauch) bezeichnet das Bewusstsein, das die menschliche Seele ihren oder der menschliche Geist seinen Ursprung einer göttlichen oder transzendenten Instanz verdankt. Sie ist die besondere, nicht notwendig im konfessionellen Sinne verstandene religiöse Lebenseinstellung eines Menschen, der sich auf das transzendente oder immanente göttliche Sein konzentriert bzw. auf das Prinzip der transzendenten, impersonalen letzten Wahrheit oder höchsten Wirklichkeit.

Im Unterschied zur Religion oder Esoterik, bei der es um das Wissen, um Lehre über oder Methodik von Spiritualität geht, ist die Spiritualität selbst die tatsächlich ausgeübte Praxis, aus der heraus ein Mensch eine vertiefte Beziehung zu Gott, eine innere Erleuchtung oder eine religiös begründete Emotion erlebt. So identifizieren sich die im westlichen Kulturkreis etablierten Hauptreligionen durchaus mit ihrem eigenen spirituellem Verständnis, während sie esoterischen Methoden oder Lehren traditionell eher kritsch gegenüber stehen. Heute gibt es auch verschiedene esoterische Formen der Spiritualität, die Elemente aus verschiedenen Religionen und Weltanschauungen verbinden.

Jede Religion, im Christentum sogar jede Konfession, hat ihre eigene Ausprägung von Spiritualität. Wie die Beschreibungen oder Definitionen der göttlichen Instanz bei verschiedenen Religionen so unterschiedlich sein können, dass es sich nicht in allen Fällen um das Gleiche handeln kann, können auch die spirituellen Ausprägungen und die resultierenden Praktiken kompatibel sein oder so unterschiedlich, dass sie sich nicht gemeinsam ausüben lassen.

Für manche Menschen ist die göttliche Instanz so sehr Ursprung und Ziel des Lebens, dass die ständig vertiefte Spiritualität Lebensführung im Alltag, Verantwortlichkeit und Ethik deutlich prägt - andere suchen in der Spiritualität Erlebnisse, die sie aus dem Alltag herauslösen und mit dem Alltag in keiner Verbindung stehen müssen. Auch individuelle Spiritualität ist immer verknüpft mit Vorstellungen über Mensch, Gesellschaft und Welt und ihren Ausdeutungen. Auf dem spirituellen Weg versucht der Gläubige sein Bewusstsein zu entfalten oder seine Beziehung zu Gott zu vertiefen (also kein Eskapismus).

Spirituelle Traditionen aus verschiedenen Konfessionen im Christentum sind z.B. Eucharistie, verschiedene Gebetsformen, Bibelstudium, Sündenbekenntnis, Kontemplation, persönliche Heiligung, Fasten, Diakonie, Pilgerfahrt oder Charismatik.

Islamische spirituelle Traditionen sind z.B.Gebete, rituelle Waschungen, Pilgerfahrt, Fasten und Almosen.

Fernöstliche spirituelle Traditionen sind z.B. Meditation, Kontemplation, Yoga, Zen oder Tantra.

Spirituelle Fortschritte oder Vertiefungen werden in manchen Religionen als Erwachen, Neu- oder Wiedergeburt (nach dem Tod des alten Ich), Selbstrealisation, Gottrealisation oder Erleuchtung bezeichnet. Sie können in ahnungsvoller Schau (Gnosis) oder als ergreifende Erfahrung empfunden werden und gehen immer mit einer inneren, nicht beleg- oder bezeugbaren Veränderung des Menschen einher, der sie erfahren hat.

Text von Mag. Ilse Vogel aus der Webseite der Evangelischen Kirche Mödling - ergänzt mit Mitschriften und Begriffsbestimmungen aus diversen Quellen von Gerhard Metz.
Das Ökumenische Forum ist eine gemeinsame Veranstaltung der Evangelischen Pfarrgemeinde Mödling und den beiden katholischen Pfarren Herz-Jesu & St. Othmar in Mödling


Christus das eine Fundament der Kirche 

Motto der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2005

Im Jahr 50 nach Christus kam Paulus nach Korinth. Die griechische Stadt war wegen ihres Hafens für den Handel von großer Bedeutung. Weil in ihr zahlreiche Geistesströmungen vertreten waren, war sie auch intellektuell und religiös sehr lebendig. 18 Monate lang verkündete der Apostel dort das Evangelium und legte die Grundlage für eine blühende christliche Gemeinde. Später setzten andere sein Werk der Evangelisierung fort. Doch die jungen Christen waren versucht, sich an die Personen zu binden, die ihnen die Botschaft von Christus brachten, statt an Christus selbst. So kam es zu Spaltungen: "Ich halte zu Paulus!", meinten die einen; andere wiederum sagten - ebenfalls mit Bezug auf ihren Lieblingsapostel: "Ich halte zu Apollos!" oder "Ich zu Petrus!". Auf dem Hintergrund dieser Spaltungen unterstrich Paulus mit Nachdruck, dass die Baumeister der Kirche viele sein können, dass es aber nur ein Fundament gibt: Jesus Christus. Er allein ist der lebendige Stein. Während der "Gebetswoche für die Einheit der Christen" in diesem Monat erinnern die Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften in besonderer Weise daran, dass Christus ihr einziges Fundament ist. Nur wenn sie ihm folgen und sein Evangelium leben, können sie die volle und sichtbare Gemeinschaft untereinander finden.

die ganze (bewohnte) Erde (ursprüngliche Bedeutung von gr. oikoumenê) // die christliche Kirche als ganze // allgemeine christliche oder kirchliche Gültigkeit besitzend // den weltweiten missionarischen Auftrag der Kirche betreffend  // die Beziehungen zwischen mehreren Kirchen oder zwischen einzelnen Christen verschiedener Konfessionen  // die geistige Haltung, die das Wissen um die Zugehörigkeit zur weltweiten Gemeinschaft der christlichen Kirchen und das Streben nach Einheit der Kirche Christi ausdrückt Unser Leben auf Christus zu gründen bedeutet, eins zu werden mit ihm; es heißt, so zu denken, wie er denkt; das zu wollen, was er will; so zu leben, wie er gelebt hat. Wie aber ist das möglich? Der beste Weg ist, das Evangelium zu leben. Jesus ist das fleischgewordene Wort Gottes, das Wort, das unsere menschliche Natur angenommen hat. Deshalb werden wir wahre Christen sein, wenn wir unser ganzes Leben von ihm, vom Wort Gottes, durchdringen lassen.
Wenn wir sein Wort leben oder - besser noch - uns so von seinem Wort bestimmen lassen, dass es aus uns "lebendiges Wort" macht, dann sind wir eng mit ihm verbunden, ja eins mit ihm. Wenn das Wort in uns allen lebt, ist das sicher der beste Beitrag, den wir geben können, damit die Einheit unter allen Christen Wirklichkeit werden kann. Wie der Körper atmet, um zu leben, so lebt die Seele vom gelebten Wort Gottes.
Eine der ersten Auswirkungen des gelebten Wortes ist, dass Jesus in uns und unter uns geboren wird. Und er führt einen Mentalitätswandel in uns herbei: Er legt in das Herz eines jeden Menschen - woher er auch stammt - seine eigenen Empfindungen, seinen ganz speziellen Blick auf die Situation einzelner Menschen oder ganzer Gesellschaften. Diese Erfahrung hat auch einer meiner ersten Wegbegleiter gemacht: Giulio Marchesi Er war Ingenieur in einem großen Industriebetrieb und später Direktor eines anderen bedeutenden Unternehmens in Rom. Aufgrund vieler Erfahrungen war er zu der entmutigenden Erkenntnis gelangt, dass die Menschen überall von egoistischem Streben geleitet sind und es deshalb nicht möglich ist, in dieser Welt glücklich zu werden.
Als er jedoch eines Tages Menschen begegnete, die das "Wort des Lebens" lebten, schien sich mit einem Mal alles in ihm und um ihn herum zu verändern. Auch er begann, das Evangelium zu leben. Bald empfand er in seinem Herzen große Freude und Fülle. Später beschrieb er diesen Wandel wie folgt: "Ich erlebte die Allgemeingütigkeit der ‚Worte des Lebens'. Sie riefen eine wahre Umwälzung in mir hervor. Sie veränderten meine Beziehung zu Gott und zu den Menschen. Alle waren mir Brüder und Schwestern. Mir schien, als würde ich sie seit jeher kennen. Gleichzeitig erfuhr ich die Liebe Gottes zu mir; es genügte, ihn um etwas zu bitten. Kurz gesagt: Das gelebte Wort hat mich frei gemacht!" Als freier Mensch konnte er auch dann leben, als er während der letzten Jahre seines Lebens an den Rollstuhl gefesselt war.
Ja, das gelebte Wort macht frei von menschlichen Zwängen. Es gibt Freude, Frieden, Einfachheit, Fülle des Lebens, Licht. Es führt uns dazu, Christus nahe zu sein, sodass wir ihm immer ähnlicher werden.

die ganze (bewohnte) Erde (ursprüngliche Bedeutung von gr. oikoumenê) // die christliche Kirche als ganze // allgemeine christliche oder kirchliche Gültigkeit besitzend // den weltweiten missionarischen Auftrag der Kirche betreffend  // die Beziehungen zwischen mehreren Kirchen oder zwischen einzelnen Christen verschiedener Konfessionen  // die geistige Haltung, die das Wissen um die Zugehörigkeit zur weltweiten Gemeinschaft der christlichen Kirchen und das Streben nach Einheit der Kirche Christi ausdrückt Es gibt ein Wort Gottes, das alle anderen enthält: Gott und den Nächsten zu lieben. Jesus fasst darin "das ganze Gesetz samt den Propheten" zusammen. 
Tatsächlich ist jedes Wort des Evangeliums - auch wenn es mit ganz unterschiedlichen menschlichen Begriffen ausgedrückt wird - Wort Gottes. Und da Gott die Liebe ist, ist auch jedes seiner Worte Liebe.
Wie können wir also diesen Monat leben? Wie können wir uns eng an Christus binden, "das eine Fundament der Kirche"? Indem wir lieben, wie er es uns gelehrt hat. "Liebe und tu, was du willst", hat Augustinus gesagt und damit die Grundregel des Evangeliums zusammengefasst. Wer liebt, ist auf dem richtigen Weg. Er erfüllt voll und ganz den Willen Gottes.

Text: Chiara Lubich
Quelle: http://www.fokolare.at/wort.php


Mehr über Ökumene , die ökumenischen Gebete im Jahr 2003,
Ökumenische Forum 2004 im Jänner , Ökumenische 2004 Forum im April
und Ökumenische Forum 2004 im Oktober

aktualisiert am 12-Jul-2012
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